Schule ohne Rassismus

Ein Ort ohne Ras­sis­mus ist ein Ort, an dem sich alle Men­schen, egal wel­cher Her­kunft, Bil­dung, sexu­el­ler Ori­en­tie­rung … wohl­füh­len kön­nen. Ein sol­cher Ort wol­len wir, die Gesamt­schu­le Petersha­gen, sein. Durch ver­schie­dens­te Akti­vi­tä­ten und durch bewuss­tes Han­deln ver­su­chen wir, die­sen ras­sis­mus­frei­en Ort zu leben.

War­um ist für jun­ge Men­schen ein ras­sis­mus­frei­er Ort so wichtig?

Schüler*innenstimmen:

  • Ich bin Ali­sha, gehe in die 9. Klas­se und fin­de, dass wir alle viel dazu bei­tra­gen kön­nen, die Welt ein biss­chen bes­ser zu machen.
  • Ich bin Kevin, gehe in die 13. Klas­se und fin­de, dass jeder Mensch die glei­chen Recht haben sollte.
  • Ich bin Flo­ren­ti­ne, gehe in die 7. Klas­se und set­ze mich für mehr Gleich­be­rech­ti­gung an der Schu­le ein!
  • Ich bin Kata­li­na, und gehe in die 10. Klas­se. Ich bin in der AG Schu­le ohne Ras­sis­mus, weil ich selbst schon in einer Situa­ti­on war wo jemand ras­sis­tisch belei­digt wur­de und ich es des­halb dafür ein­set­ze das sowas nicht mehr passiert.
  • Ich bin Ame­lie und gehe in die 8 Klas­se. Ich gehe in die AG, weil mir Viel­falt wich­tig ist.
  • Ich bin Sophie, gehe in die 7. Klas­se und fin­de es blöd, wenn ande­re Men­schen für ihre Haut­far­be, Reli­gi­on oder Sexua­li­tät run­ter­ge­macht werden.
  • Ich bin Jan­nes, gehe hier in die 7. Klas­se und möch­te ras­sis­ti­schen und homo­pho­ben Belei­di­gun­gen etwas entgegensetzen.
  • Ich bin Leo­nie, bin in der 10. Klas­se und bin hier, weil mir der Gedan­ke gefällt mei­ne Schu­le zu einem noch bes­se­ren Ort zu machen.

Für die­se Denk­wei­sen und das damit ver­bun­de­ne Enga­ge­ment wur­de unse­rer Schu­le am 08. Novem­ber 2021 der Titel „Schu­le ohne Ras­sis­mus – Schu­le mit Cou­ra­ge“ verliehen.

Aus der Rede der AG-Leitung:

[…] der Wunsch etwas gegen Ras­sis­mus zu tun und „Schu­le ohne Ras­sis­mus, Schu­le mit Cou­ra­ge“ zu wer­den, ging vor mehr als zwei Jah­ren von euch, den Grün­dungs­schü­le­rin­nen und Schü­lern der AG, aus.

Ihr habt das Pro­jekt aus dem Boden gestampft und euch mit viel Enga­ge­ment und Krea­ti­vi­tät für einen gelun­ge­nen Auf­takt ein­ge­setzt. […] Damit habt ihr erreicht, dass wir heu­te hier sind und den Titel „Schu­le ohne Ras­sis­mus – Schu­le mit Cou­ra­ge“ über­reicht bekommen. […]

Am Titel „Schu­le ohne Ras­sis­mus“ hat aber nicht nur die AG gear­bei­tet. Was euch und auch mir die Arbeit viel leich­ter gemacht hat, war die unein­ge­schränk­te Unter­stüt­zung durch die Schul­lei­tung. Dan­ke dafür, dass sie immer ein offe­nes Ohr hat­ten, uns mit Rat, Tat und allem was nötig war unter­stützt und sich dafür ein­ge­setzt haben, dass wir die­sen Titel heu­te auch bekom­men können.

Eben­so geht ein Dank an die Leh­re­rin­nen und Leh­rer, wel­che der AG immer wie­der etwas von der knap­pen Unter­richts­zeit gege­ben haben, damit wir arbei­ten und unser Pro­jekt vor­stel­len konnten. […]

Auch bei unse­ren Paten, der Bun­des­ko­or­di­na­ti­on „Schu­le ohne Ras­sis­mus-Schu­le mit Cou­ra­ge“ und der RAA Pots­dam möch­te ich mich bedan­ken. Zum einen dafür, dass sie die­ses Pro­jekt und das gesell­schaft­li­che Anlie­gen dahin­ter so offen unter­stüt­zen, aber auch dafür, dass durch sie auch Impul­se für die wei­te­re Arbeit gekom­men sind. [Unser Kul­tur-Part­ner, die Bus­ters, hät­ten gern heu­te mit euch] eine etwas grö­ße­re Par­ty gefei­ert. [Die Pan­de­mie lässt das der­zeit nicht zu,] aber was nicht ist, kann viel­leicht noch werden.

[…] damit auch die­je­ni­gen, die jetzt nicht hier sein kön­nen auch etwas [von der Titel­ver­lei­hung] mit­be­kom­men, sind direkt heu­te früh ver­schie­de­ne Pro­jekt­ta­ge des Netz­werks für Demo­kra­tie und Cou­ra­ge gestar­tet. Hier wer­den die Klas­sen 7 bis 9 für die The­men „Wir­kung von Spra­che“, „Sexis­mus und Queer-Feind­lich­keit“, sowie zu men­schen­ver­ach­ten­den Ein­stel­lun­gen sen­si­bi­li­siert und erler­nen Stra­te­gien für ein cou­ra­gier­tes Handeln. […]

Stef­fi Schwa­be, Sozialpädagogin

 

Aus der Rede der Schulleitung:

]…] Im Novem­ber vor 31 Jah­ren war ich so alt wir eini­ge der ange­hen­den Abitu­ri­en­ten unse­rer Schu­le heu­te. Ich bin in Ost­deutsch­land auf­ge­wach­sen und ich glaub­te damals, Ras­sis­mus gäbe es bei uns nicht. Ich glaub­te, dass alle Men­schen in dem Bewusst­sein auf­ge­wach­sen sei­en, dass ihr Land, ihre Ras­se oder ihre Reli­gi­on eine von vie­len ist und nie­mals die ein­zig Wah­re und Beste.

Lei­der muss­te ich mit 18 schmerz­haft erken­nen, dass mei­ne Über­zeu­gung nicht den Rea­li­tä­ten in mei­nem Hei­mat­bun­des­land ent­sprach. In jenem Novem­ber im Jahr 1990 starb ein jun­ger Ango­la­ner an den Fol­gen eines Neo­na­zi-Über­griffs. Ama­deu Anto­nio Kio­wa kam gera­de von der Abschieds­fei­er eines Kol­le­gen, als er von meh­re­ren Neo­na­zis ange­grif­fen wur­de. Sie lie­fen auf ihn zu, schlu­gen und tra­ten auf ihn ein. Kio­wa, der Jah­re zuvor als Ver­trags­ar­bei­ter ein­ge­wan­dert war, erlag sei­nen schwe­ren Ver­let­zun­gen. Die Tat, die mei­ne Über­zeu­gung, dass es hier im Osten kei­nen Ras­sis­mus gäbe, ins Wan­ken brach­te, ereig­ne­te sich nur weni­ge Kilo­me­ter von hier, im bran­den­bur­gi­schen Eberswalde.

Seit­dem hat es vie­le wei­te­re Über­grif­fe gege­ben, nicht immer phy­sisch, son­dern auch oft ver­ba­ler Natur. […] Dou­dou Diè­ne, ein Jurist und ehe­ma­li­ger Son­der­be­richt­erstat­ter der Ver­ein­ten Natio­nen sag­te ein­mal: „Ras­sis­mus gedeiht da, wo er geleug­net wird.” Wir als Schu­le wol­len den wach­sen­den Ras­sis­mus in unse­rer Gesell­schaft nicht leug­nen, son­dern aktiv Zei­chen dagegensetzen.

Am Anfang habe ich gesagt, wir bekom­men heu­te den Titel „Schu­le ohne Ras­sis­mus — Schu­le mit Cou­ra­ge“ ver­lie­hen, aber das ist nicht rich­tig. Es ist kein Titel und auch kei­ne Aus­zeich­nung, son­dern eine Ver­pflich­tung, der ihr, lie­be Schüler*innen unter Lei­tung und in Zusam­men­ar­beit mit Frau Schwa­be, eine Stim­me ver­leiht. „Schu­le ohne Ras­sis­mus – Schu­le mit Cou­ra­ge“ bedeu­tet die Ver­pflich­tung, Ras­sis­mus, Vor­ur­tei­len, Homo­pho­bie, Sexis­mus, Anti­se­mi­tis­mus und Rechts­ex­tre­mis­mus an unse­rer Schu­le kei­nen Raum zu geben und die­sen ent­schie­den ent­ge­gen zu tre­ten. Es ist jetzt durch Aktio­nen – in der Schu­le und auch dar­über hin­aus – an uns zu zei­gen, dass wir den Wunsch haben, in einer Welt ohne Ras­sis­mus zu leben. In die­sem Sin­ne dan­ke ich der Arbeits­ge­mein­schaft „Schu­le ohne Ras­sis­mus“ und ihrer Lei­te­rin Frau Schwa­be für das bis­her gezeig­te außer­ge­wöhn­li­che Enga­ge­ment und ver­spre­che, dass ihr von eurer Schu­le alle Unter­stüt­zung, die ihr braucht, erhal­ten wer­det, die Idee einer ras­sis­mus­frei­en Gesell­schaft mit Leben zu erfüllen.

Doreén Rit­ter, stell­ver­tre­ten­de Schulleiterin