Grenzenlos denken –
Am 9. Februar 2026 machte sich der 11. Jahrgang unserer Schule in Petershagen (Brandenburg) auf den Weg nach Frankfurt (Oder), um sich auf die Spuren Heinrich von Kleists zu begeben. Was als fünftägige Studienfahrt geplant war, entwickelte sich zu einer fächerübergreifenden Reise über Grenzen hinweg – geografisch, zeitlich und gedanklich.
Einblick in das Campusleben der Europa-Universität Viadrina
Der erste Tag stand ganz im Zeichen der akademischen Orientierung. Die Europa-Universität Viadrina, eine international ausgerichtete Hochschule direkt an der deutsch-polnischen Grenze, bot den idealen Rahmen dafür. Gegründet im 16. Jahrhundert, blickt sie auf eine lange Tradition als bedeutende Alma Mater der Region zurück.
Frau Richter begrüßte die Gruppe herzlich und gab einen inspirierenden Einblick in Studienmöglichkeiten von Rechtswissenschaften über Wirtschaft und Betriebswirtschaftslehre bis hin zu bilingualen und interdisziplinären Studiengängen. Begleitet von Studierenden erhielten unsere Schülerinnen und Schüler bei einer Campusführung authentische Einblicke in den Studienalltag.
Der Austausch war lebendig: Fragen wurden gestellt, Eindrücke diskutiert und Erwartungen hinterfragt. Der Besuch ausgewählter Vorlesungen in Jura und Wirtschaft ermöglichte es, universitäre Lernatmosphäre unmittelbar zu erleben. Für manche konkretisierten sich Studienpläne, andere entdeckten neue Perspektiven – wieder andere erkannten, dass ihr Weg vielleicht in eine andere Richtung führen wird. In jedem Fall wurden Horizonte erweitert und Denkweisen geschärft.
Unterwegs mit Heinrich von Kleist
Am zweiten Tag rückte die Literatur in den Mittelpunkt. Eine Stadtführung folgte den Lebensstationen Heinrich von Kleists – von seinem Geburtsort bis zu dem Ort, der als seine letzte Ruhestätte gilt. Anhand dieser Erinnerungsorte setzten sich die Schülerinnen und Schüler intensiv mit Leben und Werk des Dichters auseinander.
In einem kreativen Workshop wurde eine Szene aus Kleists Drama Der zerbrochne Krug analysiert und neu interpretiert. Die textanalytische Arbeit mündete in eine szenische Umsetzung: Historischer Kontext traf auf aktuelle Bezüge, Interpretation wurde Performance. Die Inszenierungen zeigten eindrucksvoll, wie Literatur Zeiten überdauert und immer wieder neue Dialoge zwischen Vergangenheit und Gegenwart eröffnet.
Geschichte, Architektur und neue Perspektiven
Den Abschluss bildete der Besuch des Viadrina-Museums, wo die architektonische Entwicklung der Stadt im Mittelpunkt stand. Die Ausstellung beantwortete offene Fragen zur bewegten Geschichte Frankfurts (Oder) und weckte zugleich neue Neugier auf das kulturelle Erbe der Region.
Ein kreativer Höhepunkt der Fahrt war die Gestaltung einer fotografischen Story. Die Gruppen verbanden historische, politische, theatrale, mathematische oder biologische Perspektiven miteinander und ließen ihre Figuren aus überraschenden Blickwinkeln erzählen. So entstanden vielschichtige visuelle Narrative, die Heinrich von Kleist neu interpretierten und räumliche wie zeitliche Grenzen bewusst verschoben.
Die Arbeiten der Schülerinnen und Schüler zeigten eine bemerkenswerte Tiefe: differenzierte Charakterzeichnungen, reflektierte Analysen und kluge Verbindungen zwischen Kleists Welt und unserer Gegenwart. Ihre kreativen Zugänge machten deutlich, mit welcher Offenheit und Selbstständigkeit sie klassische Texte befragen, neu deuten und mit heutiger Relevanz versehen.
Die Studienfahrt nach Frankfurt (Oder) wurde so zu einer eindrucksvollen Erfahrung – jenseits zeitlicher und räumlicher Grenzen.
Dr. Rabeb Ben Hania
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